Die Fujifilm X-T20 – Ein Traum wird wahr

Vor Jahren, als Smartphones die Größe von 4,5″ noch nicht überschritten und keine schönen Bilder schossen, besorgte ich mir von Amazon eine gebrauchte Canon 550D für knappe 400€ mit dem üblichen Kit Objektiv. Die 550D war damals eine gute Kamera für den Start in die Fotografie und bot Spielraum für Experimente. Später kamen ein Stativ, ein Blitz für den Hot Shoe und ein Tamron Macro Objektiv1 hinzu. Solange ich die Kamera besaß war ich mit dem Equipment zufrieden. Wie das Leben nun mal so ist, zog ich einige Jahre später um und musste aus Geldnot mein gesamtes Equipment verkaufen. Über die Jahre verlor ich dann das Thema Fotografie mit DSLR aus dem Auge und beschränkte mich dann auf mein Smartphone.

Die Wahl meiner Smartphones war für den Anfang nicht unbedingt auf die Kamera ausgerichtet. Erst später mit dem Xperia Z änderte sich dies und Bilder sahen annehmbar gut aus. Mit immer neuen Geräten wurden auch die Bilder immer schneller immer besser und mein Verlangen nach einer eher unhandlichen DSLR wurde immer kleiner. Schau dir doch mal so die eher guten DSLRs zu Zeiten vom iPhone 5 an. Groß, schwer und halt unhandlich.

Noch ein paar Jahre später, in etwa ab dem iPhone 6s Plus, wurden die Kameras nicht mehr so schnell so viel besser wie ich mir gewünscht hatte. Das war so der erste Moment in dem mir klar wurde, dass ich für bessere Bildqualität, vor allem in schlechten Lichtverhältnissen, eine Kamera mit größerem Sensor bräuchte. Bei der schieren Auswahl an Kameras auf dem Markt war ich jedoch stark überfordert und wusste nicht so recht weiter. Ich fing also an mich genauer mit den Kamerasystemen an sich auseinander zu setzen. Seit der 550D, eine DSLR, gab es noch die Systemkameras, auch DSLM, auf den Markt. DSLM haben den Vorteil, dass ihr Körper kleiner ist als der DSLR, weil ihnen der Spiegel fehlt. Dadurch sparen sie nicht nur Gewicht, sondern bieten auch andere Vorteile2. Für mich, dem Gewicht und Größe sehr wichtig ist, war dann die Entscheidung auf welches System ich mich konzentriere, nicht all zu schwer.

Zu erst, größtenteils der vielen Werbung geschuldet, sah ich mir Sony Systemkameras an3. Erst später kamen dann Kameras von Olympus dazu. Keine der Kameras sprachen mich wirklich an, oder lagen deutlich über meinem Budget. Der Rest scheiterte an Kleinigkeiten die ich einfach nicht so recht verstehen konnte, wie z.B. Menüstrukturen. Ich wendete mich vom Thema Fotografie erst einmal wieder ein wenig ab, bis zu dem einen besonderen Tag. Tjanun. Wie beschreibe ich das alles. Es fing damit an, das der liebe Gilly dieses Bild auf Instagram postete:

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Urban christmas vibes. Shot on #FujiFilmXT20

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Fujifilm? Diese Marke kannte ich irgendwo her. Aus meiner Kindheit um etwas genauer zu werden, also zu Zeiten von Analogfotografie und den überall bekannten Polaroid und Kodak Sofortbild Kameras. Mein Onkel besaß eine analoge Kamera, die er mit Film von Fujifilm fütterte. So viel zu Marken und welchen Eindruck sie bei jungen Menschen hinterlassen können. Jahrzehnte später erinnerte ich mich also an dieses Unternehmen und beschloss mich genauer mit der Fujifilm X-T20 auseinander zu setzen, die der Gilly da benutzt hatte.

Gefühlte 100 YouTube Videos und viele viele Stunden Tests und Blogs lesen später, war es dann so weit. Der nächste Elektrohandel war keine 10 Minuten von mir entfernt und schon war sie meins. Ich musste mich ordentlich zusammenreißen die Kamera nicht gleich im Laden auszupacken um damit Fotos zu schießen. Ganz selten lässt und ließ mich ein Stück Technik derart nervös und ungeduldig werden. Zu Hause angekommen wurde der Akku fix geladen und die Kamera zusammengesetzt. Naja, das Objektiv wurde auf die Kamera geschraubt.

Ich persönlich stehe total auf gute Haptik und naja, my heart skips a beat when it clicks. Nichts ist schöner als das Einrasten eines Reglers, ein leichtes schleifen der Kontakte bis der Regler vollständig einrastet, begleitet mit einem vollen „tack“4. Hat man erst einmal den kleinen Fingerorgasmus überstanden, gibt einem die Kamera beim Auslösen des mechanischen Verschlusses dann den Rest. „Hey du, ja du. Ein geiles Foto hast du da gemacht. ;D“. So in etwa könnte man den Klang beschreiben.

Dewdrop

Bitte gebt mir Knöpfe, Schalter und all das Zeug was so schön klickt, denn davon kann ich nicht nur nicht genug bekommen, sondern genau diese Vorliebe bringt abseits davon eine Vorliebe zu sein auch andere Vorteile mit sich. Egal in welcher Situation ich mich gerade befinde oder wie lange ich die Kamera beiseite gelegt hatte, ich kann sofort erkennen in welchem Modus die Kamera gerade läuft, wie die Verschlusszeit eingestellt ist und so weiter. Das erspart mir viel suchen, klicken und Frust. Ich mag nämlich keine Menüs. Hier nochmal einen herzlichen Dank an Canon, die mir dank ihres unübersichtlichen Haufen Mist5 den sie Menü nennen, die Laune auf eben jene versaut haben. „Oh, du bist im falschen Modus, dann deaktivieren wir mal diese paar Funktionen, aber sagen dir nicht warum. Uns doch egal ob du dir die Zeit nimmst eventuell herauszufinden warum das so ist.“

Ich könnte ewig über die Haptik der Kamera schwärmen, aber sie kann von der Bedienung nach noch so geil, vom Klang her noch so wertig sein; wenn man mit ihr keine ordentlichen Bilder schießen kann, oder die Software nur vor Fehlern strotzt, ist sie nutzlos. Und in den nunmehr 2 Monaten in denen ich mit der Kamera herumlaufe sind mir ein paar Dinge aufgefallen die mir sehr gefallen, aber auch ein paar Dinge die mir gehörig auf den Sack gehen.

The Line

Zur Zeit meiner 550D gab es für die Kamera, sollte mir mein Gedächtnis keinen Streich spielen, genau zwei Firmware Updates. Dabei wurden immer Fehler der Software ausgebügelt. Bei Fujifilm allgemein sieht die Updatepolitik für ihre Kameras ein wenig anders aus. Natürlich gibt es fehlerbereinigte Firmware, sollte sich mal ein Fehler eingeschlichen haben, aber hier und da gibt es dann noch weitere Features on top. Sei es die Möglichkeit mittels Touch einen Fokuspunkt setzen zu können, oder später ein Upgrade des Autofokus und „Blinkies“6. Lies dir doch mal die Changelogs der einzelnen Updates durch, dann weisst du was ich meine.

Eine Kamera wäre keine Kamera, wenn sie nicht auch Fotos aufnehmen könnte. — Captain Obvious strikes again!

iPhone 8 back

Also möchte ich mal ein wenig über die Qualität der Bilder sprechen, die man mit der X-T20 aufnehmen kann. So nebenbei möchte ich nur mal kurz erwähnen, dass in der X-T2 sowie X-Pro2 und X-H1 verwendet werden. Heißt, der Sensor wird in Kameras verwendet die man eher im Profibereich findet. Ich könnte und würde auch unheimlich gerne über den X-Trans 3 Sensor sprechen, aber das würde dann doch ein wenig zu weit ausschweifen. Vielleicht lasse ich mich später nochmal über den Sensor aus.

Alle Bilder die du hier siehst, sind mit dem beigelegten Kit-Objektiv aufgenommen worden und das ist ein weiterer riesiger Pluspunkt. Warum das ein großer Pluspunkt ist und nicht Standard ist recht einfach erklärt. Kit-Objektive werden Kameras beigelegt damit Kunden „sofort“, und ohne eine weitere große Investition tätigen zu müssen, anfangen können Bilder aufzunehmen. Diese Objektiv + Kamera Kits, daher auch Kit-Objektiv, sind also eher an den anspruchsvolleren Konsumenten gerichtet. Aber genau jene Konsumenten erwarten kein extrem leistungsstarkes Objektiv und Kamera, sondern einfach mehr Leistung als Kompaktkameras hervorbringen können. Um den Preis des Kits möglichst gering zu halten, sind diese meist nicht sehr Lichtstark7, nicht Wetterbeständig und haben viele weitere Nachteile gegenüber den teureren Objektiven vom Kamerahersteller und anderen Herstellern. Um es etwas kürzer zu fassen kann man sagen, dass das Fujifilm Kit Objektiv nicht nur Lichtstärker ist, als das von anderen Herstellern, sondern allgemein schärfer und verursacht weniger Bildstörungen8.

Dewdrop

Leider ist nicht immer alles Gold was glänzt und es gibt auch einige Dinge die mir etwas sauer aufstoßen. Dazu zählt unter anderem das nicht mittig zum Objektiv ausgerichtete Gewinde, an dem man Stative schrauben kann. Natürlich wusste ich bereits bevor ich die Kamera gekauft hatte, dass dem so ist, aber ich hätte nie gedacht, dass mich das stören würde. Nun, ich habe mir ein Stativ gekauft um Langzeitbelichtungen schießen zu können, aber die Ausrichtung der Kamera zum Objekt das man Fotografieren möchte ist dann nicht intuitiv und die Stativplatte9 versperrt einem dann den Zugang zu SD-Karte und Batterie. Mega nervig wenn man länger unterwegs ist und die Batterie häufiger mal tauschen muss.

Dadurch wird man im Endeffekt „gezwungen“ sich Handgriffe für die Kamera anzusehen. Das von Fujifilm kostet mal eben so geschmeidige 100€, Griffe von anderen Herstellern etwa 40-70€. Im Nachhinein kann ich jedem nur empfehlen sich einen zusätzlichen Griff für die Kamera zu kaufen10, nicht nur weil die Kamera dadurch deutlich griffiger wird, sondern diese Griffe auch den Zugriff auf SD-Karte und Batterie nicht versperren.

Mipha look at you

Zu Zeiten der 550D konnte ich mir mein Nexus 7 nehmen, die App von Chainfire installieren und jeden Aspekt der Kamera beeinflussen. In diesem Ausmaß ist das mit den Kameras von Fujifilm nicht möglich. Die Hauseigene App ist nicht nur nicht an aktuelle Geräte von Apple angepasst, es gibt auch keine iPad Version. Für Menschen die ihre Fotos mit einem Geotag versehen möchten kommen möglicherweise auch auf die Idee die App zu benutzen, bietet sie einem diese Funktion direkt im Hauptmenü an. Obacht, denn die App aktualisiert euren Standort nicht in einem Intervall, oder wenn du dich vom ursprünglichen Ort wegbewegst, sondern gar nicht. Wechselt man also zwischen einzelnen Fotos den Standort, muss die Funktion erneut aufgerufen werden. Ach, einfach allgemein ist diese App zu nichts nutze und man ist mit einem Lightning / xUSB zu SD Adapter besser bedient, denn selbst das drahtlose übertragen der Bilder dauert einfach mal beschissen lang. Das will echt niemand, der auch nur ansatzweise produktiv damit arbeiten möchte.

Okay, genug Hate für die App und zurück zur Kamera. Ein, wie Dinge gibt es da noch die mich ein wenig nerven, aber im Grunde keine groben Fehler sind. Einerseits braucht der EVF einen tick zu lange um sich einzuschalten.Wenn man in den EVF sieht schaltet er sich kurze Zeit später ein. Wenn es schnell gehen muss, nervt das schon gewaltig. Neben dem EVF liegt der Knopf um zwischen den einzelnen Modi von EVF und LCD Bildschirm zu schalten. Der jeweils aktuell eingestellte Modus wird aber nur auf dem jeweilig aktiven Bildschirm angezeigt, aber wer drückt schon immer wieder den Knopf während er gerade durch den EVF sieht? Warum nicht den LCD Bildschirm beim Moduswechsel immer die verfügbaren und aktuell ausgewählten Modi anzeigen lassen? Vielleicht in einem der nächsten Updates.

Woody

Puh, ein gutes Stück zu lesen. Vielleicht hattest Spaß dabei, vielleicht war er nur dein Zeitvertreib beim warten auf den nächsten Bus oder Zug. Danke. Ich schreibe nicht nur für mich, sondern auch für dich. Mir bereitet es Freude wenn ich weiß, dass Menschen wie du meine Posts lesen.

Dir fällt etwas für dich wichtiges ein das unbedingt erwähnt werden sollte, oder ich schreibe Mist? Dann hau mich doch auf Twitter drauf an.

  1. Das Tamron SP AF 60mm F2 Di II Macro
  2. Zum Beispiel können Objektive kompakter gebaut werden.
  3. Versucht mal in einen Elektro-Großmarkt zu gehen und keine Werbung für irgendwelche Sony Systemkameras zu sehen.
  4. Tatsächlich versuche ich mich da gerade in der Beschreibung eines Tons. Das ist schwerer als gedacht.
  5. Ich würde liebend gern ein passenderes Wort dafür verwenden.
  6. Als Blinkies bezeichnet man die Funktion über-/ unterbelichtete Bereiche zu markieren und blinken zu lassen. Das hilft bei der Fotografie in Extremsituationen.
  7. Kurzfassung: Je Lichtstärker ein Objektiv ist, desto weniger Licht braucht es um das Bild ausreichend hell darzustellen.Längere: Objektive benutzen wie das Auge einen Mechanismus um die Menge an Licht die auf den Sensor (beim Auge der Sehnerv) fällt zu regulieren. Diese nennt sich bei einem Objektiv „Blende“. Je kleiner die Blende ist, desto weniger Licht fällt auf den Sensor und das Bild wird dunkler. Je größer die Blende ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor und das Bild heller. Je Lichtstärker ein Objektiv ist, desto größer kann die Blende sein. Die Blende wird als „F“ Nummer auf der Verpackung stehen. Je kleiner die Zahl ist, desto größer die Blende.
  8. Das ist meine persönliche Meinung zu den Objektiven und basiert auf Tests und Berichten vieler verschiedener Menschen auf YouTube und Blogs.
  9. Gute Stative schraubt man nicht direkt an die Kamera, sondern nur die Stativplatte, oder auch Schnellwechselplatte genannt.
  10. Bitte, bitte tu dir NICHT diese billige Scheisse für 10-30€ an. Das willst du nicht und deine Hände erst recht nicht. Wer 1000€ für eine Kamera ausgibt, der hat auch ungefähr 50€ für einen ordentlichen Griff. Bitte…

 

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