Das iPhone

iPhone 8, ja da klingelt was oder? War ja auch schwer den andauernden Leaks zu entkommen und irgendetwas nicht über das iPhone zu lesen.

Nach erscheinen vom iPhone 8 und X habe ich mir ein paar Tage1 Zeit gegeben um die Keynote wirken zu lassen. Lohnt sich der Umstieg vom immer noch herausragenden iPhone 6S Plus auf das 8 Plus? Haben sie in der vierten Evolutionsstufe das Design, welches wir vom iPhone 6 kennen, perfektioniert? Kein Bendgate, keinen Halbmond an der Frontcam, kein schwächelnder Akku, Bluetooth / GPS Probleme im falschen Mobilfunknetz oder bröckelnde Gehäusefarbe? Solche Dinge sind für mich extrem wichtig und diese Art von Problemen merke ich mir auch über Gerätegenerationen hinweg. Umso gespannter bin ich ob sich in den nächsten Monaten irgendwelche Schwächen zeigen werden.

Es dürften sich nicht wenige da draußen ein radikal neues Design gewünscht haben. Endlich etwas frischer Wind für die neue Generation. Um jeden Preis. Dabei ist das nicht unbedingt von Vorteil, denn ein neues Design ist anfälliger für Kinderkrankheiten wie zum Beispiel Bendgate, Touch Disease oder Antennagate, alles Fehler im Design der jeweilig ersten Generation. Abgesehen von den Fehlern kommt dann noch der Neukauf von Zubehör auf einen zu und das kann sehr teuer werden.

Mal von den Fehlern der verschiedenen Generationen abgesehen gibt es, natürlich, auch beim 8 ein paar Veränderungen am Design. Die neue Glasrückseite, wie sie in ähnlicher Form schon einmal im iPhone 4(s) zum Einsatz kam, macht einiges her und erlaubt das induktive Laden2 über den Qi-Standard. Induktives Laden, auch wenn es mehr Strom verbraucht als das Laden mit Kabel, ist es ein großer Zugewinn an Komfort und passt gut zum iPhone. Häufig war es so, dass erst wenn das iPhone einen Standard unterstützte, er Salonfähig wurde und anschließend große Verbreitung fand. Ich hoffe, dass es hier ähnlich sein wird und induktives Laden nun auch großflächig in Möbel, Elektronik und Geschäfte integriert wird. Weniger Kabel = besser. Zudem fühlt sich Glas, nach meinem Geschmack, deutlich wertiger an als Aluminium und nimmt mir auch die Angst das gute Stück aus versehen mal aus der Hand rutschen zu lassen. Andersrum wird es nun deutlich schneller von irgendwelchen mit Stoff, oder allgemein glatten Oberflächen rutschen. Also Obacht. Meines hat genau deswegen schon ein paar kleine Macken.

 

Eine weitere große Änderung am iPhone 8 gegenüber dem 6S ist der Homebutton. Um meine Begeisterung dafür mal in Worte zu fassen: Oh Leck mich ist das geil! Dabei bin ich jemand der gerne einen Tastenanschlag spüren, aber nicht unbedingt hören möchte. Aus dem Grund besitze ich zum Beispiel auch eine mechanische Tastatur, ohne hörbaren Feedback. Rein Berührungsempfindliche Knöpfe finde ich sehr schrecklich, fühlt sich das Feedback, sofern überhaupt vorhanden, häufig einfach falsch und deplatziert an. Umso erstaunlicher finde ich es das Apple es geschafft hat mit einem runden, unbeweglichen Stück Glas und einem Vibrationsmotor eine derart gute Illusion eines mechanischen Knopfes zu schaffen. Endlich muss ich mir nun auch keine Gedanken mehr um den Verschleiß der Mechanik machen, vor allem da Apple seit iOS 11 den 3D Touch Shortcut für den Taskswitcher, wenn auch nur vorübergehend bis wahrscheinlich iOS 11.1, aus iOS entfernt hat.

Eine weitere große Änderung ist natürlich der Kopfhöreranschluss. Genauer, das Fehlen von eben jenem. Entweder nimmt man dann die beigelegten Kopfhörer von Apple, die aber einen wirklich schlechten Klang haben, oder den Lightning auf Klinke Adapter, welcher gerne mal kaputt geht. Also lieber kabellose Kopfhörer.

Hochwertige Kopfhörer die gut klingen dürfen ein wenig was kosten und vor ein paar Jahren waren noch so gut wie alle Kopfhörer die was taugten, aber nicht gerade den Wert einer Niere hatten, mit Kabelanschluss. „Taugen“ bedeutet für mich, dass das Klangbild stimmt, sie nicht zu schwer sein dürfen und die Ladezeit in einem erträglichen Rahmen liegt. 2 Stunden für eine Ladung um dann 6+ Stunden hören zu können definiere ich nicht als schnell. Sie sollten nicht aussehen als hätte ich sie gerade auf dem Rummel gewonnen oder aus dem Kaugummiautomaten gezogen. Die Auswahl fällt einem dann gar nicht mehr so leicht und den eigenen Geschmack vom Klang zu treffen ist auch nicht immer ganz einfach. Mit den Beats X kann man jedenfalls im Bereich Gewicht und Ladegeschwindigkeit nichts falsch machen. Der Klang ist dabei aber immer vom Geschmack der jeweiligen Person abhängig.

Sprechen wir mal über die Kamera vom 8 Plus, die, wenn man Fotos direkt miteinander vergleicht, sich gegenüber dem 6S Plus noch einmal deutlich verbessert hat. Der Sensor ist deutlich lichtempfindlicher und kann immer häufiger mit einer geringeren ISO ans Werk gehen. Das reduziert das Grundrauschen schon mal deutlich. Wenn man Fotos „länger“ belichten wollte hatte man mit dem 6S Plus immer ein kleines Problem. Alles unter 1/80 bedurfte einer sehr ruhigen Hand, oder musste mit einem Stativ geschossen werden. Dunklere Szenen, wie der Bach in einem dichten Wald, zu fotografieren war dann nicht einfach. Mit dem 8 (Plus) sind sogar Belichtungszeiten von 1/50 mit relativ unruhigen Händen möglich und mit noch ruhigeren Händen sind auch deutlich längere Belichtungszeiten möglich3.

All das haben wir dem besseren Bildstabilisator zu verdanken, der aber nicht nur Fotos stabilisiert, sondern auch mit bloßer Hand gedrehte Videos. Diese kommen in 1080p60 denen mit einem Gimbal gedrehten so nahe, dass selbst gröbere Wackler oder Stöße, wie beim Laufen, so gut wie kein Problem mehr darstellen. Des Stabis Kryptonit ist 2160p60 (4K). In dieser Auflösung und Framerate sollte man für ein ruhiges Video dann doch ein Gimbal benutzen.

Was mir aufgefallen ist, aber vielleicht noch mit einem Upgrade geändert wird: Man kann in der Kamera App den Fokus und die Belichtung über einen längeren Tap auf einen gewissen Punkt sperren. Das ist ein sehr nützliches Feature wenn man den Bildausschnitt nach dem Fokus verändern möchte, aber Fokus und Belichtung gleich bleiben sollen. Um nur die Belichtung zu verändern tippt man auf die zu fokussierende Stelle, um diese dann mit einem Swipe nach oben oder unten anzupassen. Mit dem 8 Plus wird beim manuellen einstellen der Belichtung das Bild nach der Aufnahme, teilweise, nicht immer, deutlich dunkler als in der Vorschau zu sehen war. Das kann, vor allem in spontan aufgenommenen Fotos sehr ärgerlich sein.

Seitdem die Kameras in Smartphones gut genug für ordentliche Fotos waren, wollte ich Porträts schießen. Die Sensoren in Smartphones sind aber zu klein um auch bei größeren Entfernungen ein gut sichtbares Bokeh zu erzeugen. Um das auszugleichen hat Apple mit dem iPhone 7 eine zweite Kamera eingebaut und erkennt mithilfe von Software die Abstände einzelner Objekte zur Kamera und voneinander. Aus diesen Informationen werden dann verschiedene Schichten mit Informationen zur „Tiefe“ auf das Bild gelegt. Mithilfe dieser Tiefeninformationen wird dann ein künstliches Bokeh errechnet. Es gibt reichlich Unkenrufe, dass Apple einen einfachen Gauß Blur über das Bild legt um das Bokeh zu erzeugen, was aber nicht ganz richtig ist. Einen richtig guten Artikel über genau dieses Thema findet man hier. Mit der Veröffentlichung des iPhone 7 war das Feature zwar schon freigegeben, aber noch im Beta Status. Filigrane, sehr kleine oder dünne Objekte wurden nur selten richtig erkannt und wurden deshalb häufig ebenfalls mit dem Bokeh Effekt belegt. Mit der Veröffentlichung von iOS 11 verließ der Porträtmodus dann den Beta Status und feinere Strukturen, genügend Licht vorausgesetzt, werden nun zuverlässiger erkannt und der Effekt kann auch im Nachhinein, sofern das Foto im Porträtmodus aufgenommen wurde, de- und wieder aktiviert werden.

Abgesehen von der Kamera hat sich auch viel am Display getan. Einerseits ist es nun dermaßen hell, das es mich auch am heiligten Tag, oder im sehr gut beleuchteten Supermarkt blendet. Abseits davon gibt es natürlich noch mehr über das man sprechen sollte. Da wäre zum Beispiel TrueTone, welches mithilfe eines Sensors für eine natürlichere Darstellung von Weiß sorgt4 und man dann vergisst das es überhaupt existiert. Ist es aber nicht eingeschaltet oder am Gerät verfügbar, wundert man sich über die komischen Farben. Eigentlich halte ich nicht sehr viel von farbverändernden Features für Displays, denn ich editiere meine Fotos vom iPhone direkt auf dem Gerät und da kann man ein um ein paar hundert kelvin verschobenes Weiß nicht unbedingt gebrauchen. Gut, dass es sich direkt über das neue Kontrollzentrum abschalten lässt. Das kleine Video hier veranschaulicht ganz gut, was und wie sich die Farbwiedergabe verändert sobald TrueTone eingeschaltet wird.

Mal abgesehen von der Kamera und Display gibt es da noch eine Sache die neu ist, der Prozessor. Vorweg, ich halte nicht mehr wirklich viel von Benchmarks, haben sie ungefähr die selbe Aussagekraft über die Leistung wie das Tanzen auf einem Tisch eine Aussagekraft über die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters hat. Gar keine, bis auf das die Show vielleicht ganz lustig ist. Darum, keine Benchmarks. Nichtsdestotrotz ist der A11 einer der schnellsten Prozessoren die es für Smartphones gibt. In der alltäglichen Benutzung merkt man zwar nicht sonderlich viel von der Mehrleistung, aber begibt man sich auf anspruchsvolleres Gebiet, wie z.B das Rendern von Videos oder bearbeiten von großen Fotos, merkt man den Geschwindigkeitsunterschied deutlich, auch gegenüber dem 7. Viel mehr gibt es da eigentlich nicht zu sagen. No Magic involved here, Sir.

Also lohnt es sich ein Upgrade zum iPhone 8 zu machen wenn man ein 6 oder 6S besitzt? Oh ja. Die allgemeine Geschwindigkeit ist spürbar besser und zwischen den Kameras liegen Welten, mal abgesehen von dem zweiten Sensor. Das Display ist deutlich heller, stellt Farben besser dar und unterstützt TrueTone. Der Homebutton ist jetzt kein mechanischer Knopf mehr und ist, wie das gesamte Smartphone, nun ebenfalls vor Wasser geschützt. Zwei statt einem Lautsprecher, die auch deutlich lauter sind und besser klingen als der im 6(S). Bluetooth 5.0 wird nun auch unterstützt, auch wenn man trotzdem nicht mehrere Verbindungen zu verschiedenen Lautsprechern haben kann. Und das wichtigste zum Schluss: das Grau ist jetzt dunkler.

Lohnt sich der Umstieg vom 7 auf das 8? Das kommt darauf an ob einem die Verbesserungen gegenüber dem 7 so viel Wert sind, noch einmal viel Geld auf den Tresen zu legen. Wenn man auf die etwas bessere Kamera, den schnelleren Prozessor oder die Qi-Ladefunktion verzichten kann, spart euch das Geld.

Der Artikel hat ein wenig länger gedauert als ich angenommen habe. Schichtarbeit kann ne Bitch sein. Ich hoffe du hattest Freude beim Lesen.

  1. Genau drei Tage hat’s gedauert
  2. Nein, auch wenn da noch zigtausend mal Wireless Charging dran steht, ist das kein kabelloses laden. Da wo ihr euer Telefon drauf legt ist ein Kabel dran.
  3. Meine Hände sind auch noch für 1/4 ruhig genug.
  4. Dieser Sensor hat vier Teile, die einen bestimmten Teil des Lichts einfangen, wodurch  der Sensor genau bestimmen kann, welche „Temperatur“ das Licht hat und wie ein natürliches Weiß aussehen würde.

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